Neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff im PSG II

Pflegegrade statt Pflegestufen

Wie pflegebedürftig ein Mensch ist, orientiert sich vor allem an seinen körperlichen Einschränkungen sowie am Zeitaufwand, den eine Pflegekraft für die Hilfe bei Körperpflege, Ernährung und Mobilität aufbringen muss. Mit dem Pflegestärkungsgesetz II kann jetzt auch Menschen mit Demenz oder psychischen Erkrankungen besser geholfen werden.

Körperliche, geistige und psychische Beeinträchtigungen werden gleichermaßen in die Beurteilung von Pflegebedürftigkeit einbezogen. Dabei helfen vor allem die fünf neuen Pflegegrade (bis 31.12.2016 drei Pflegestufen), die eine differenzierte Einschätzung des benötigten Pflegeaufwandes ermöglichen.

Die Pflegebedürftigkeit orientiert sich jetzt nicht mehr an Pflegeminuten, sondern an den noch vorhandenen Fähigkeiten des Menschen. Maßstab für die Beurteilung ist damit der Grad der Selbstständigkeit.

 

Pflegestärkungsgesetz II

Wann ein Mensch pflegebedürftig ist

Alle Fähigkeiten und Beeinträchtigungen eines Pflegebedürftigen zusammen bestimmen, welcher der fünf neuen Pflegegrade ihm zugeordnet wird. Maßgeblich zur Prüfung sind diese in § 14 Abs. 2 SGB XI festgelegten sechs Lebensbereiche:

1. Mobilität
Wie selbstständig kann der Mensch sich fortbewegen und seine Körperhaltung ändern?

2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten
Wie findet sich der Mensch in seinem Alltag örtlich und zeitlich zurecht? Kann er für sich selbst Entscheidungen treffen? Kann die Person Gespräche führen und Bedürfnisse mitteilen?

3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
Wie häufig benötigt der Mensch Hilfe aufgrund von psychischen Problemen, wie etwa aggressivem oder ängstlichem Verhalten?

4. Selbstversorgung
Wie selbstständig kann sich der Mensch im Alltag versorgen, beim Essen und Trinken und bei der Körperpflege?

5. Bewältigung von krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen
Wie aufwändig ist die Unterstützung beim Umgang mit der Krankheit und bei Behandlungen, zum Beispiel bei Medikamentengabe oder Verbandswechsel?

6. Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte
Wie selbständig kann der Mensch noch den Tagesablauf planen oder Kontakte pflegen?

Grad der Pflegebedürftigkeit nach § 15 Abs. 3 SGB XI

Wann Pflegebedürftigkeit vorliegt

Pflegebedürftigkeit liegt vor, wenn der Gesamtpunktwert mindestens 12,5 Punkte beträgt. Der Grad der Pflegebedürftigkeit bestimmt sich wie folgt:

  • Pflegegrad 1: 12,5 bis unter 27 Punkte (geringe Beeinträchtigung der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten)
  • Pflegegrad 2: 27 bis unter 47,5 Punkte (erhebliche Beeinträchtigung der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten)
  • Pflegegrad 3: 47,5 bis unter 70 Punkte (schwere Beeinträchtigung der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten)
  • Pflegegrad 4: 70 bis unter 90 Punkte (schwerste Beeinträchtigung der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten)
  • Pflegegrad 5: 90 bis 100 Punkte (schwerste Beeinträchtigung der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung)

Pflegebedürftige Kinder im Alter bis zu 18 Monaten werden pauschal einen Pflegegrad höher eingestuft.

Pflegebedürftige, die einen spezifischen, außergewöhnlich hohen personellen Unterstützungsbedarf mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung aufweisen, werden unabhängig vom Erreichen des Schwellenwertes von 90 Punkten dem Pflegegrad 5 zugeordnet. Diese sogenannte besondere Bedarfskonstellation liegt nur beim vollständigen Verlust der Greif-, Steh- und Gehfunktionen vor.


Geld- und Sachleistungen nach Pflegegrad

So hoch sind die Leistungen in den fünf Pflegegraden

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